Innerer Weg

 

"Im Traum schaue ich 'vollendete Armut': Abensmahlskelche und Teller, Wandbehänge aus Metall, Kreuze und Schmuck, alle aus Kupfer, Messing, Silber und ganz wenig Gold, zu einer Einheit geworden im Feuer. Im Erwachen spriessen die Ideen nur so, als würden sie vom Lebensbaum fallen. Was ist nur mit mir geschehen? Es ist wie erwachen. Endlich erwachen! Ja, das bin Ich: Pfarrer und Kunsthandwerker. Das Arme trägt das Vollendete. 'Der Sand wird blühen.' (Jesaia 35,7)"

Als Josua Boesch diese Worte am 9. Januar 1974 in sein Tagebuch schreibt, steht er am Beginn einer neuen Lebensetappe. Mit 51 Jahren bricht er neu auf mit der Vision von der "vollendeten Armut" im Herzen. Hinter ihm liegen lange Jahre als reformierter Pfarrer und der erste Beruf des Silber- und Goldschmieden. Für die neue Lebensaufgabe hat er noch keinen Namen. Erst Jahre später fällt er ihm zu: Ikonografie als Einheit von Theologie und Kunsthandwerk. Denn die Metalle, mit denen Josua Boesch durchs Feuer geht, widerspiegeln eine ungeahnte Schönheit, die über sich hinaus weist. Genau das ist das Kennzeichen von Ikonen: es sind Bilder, die über sich hinausweisen, die Fenster in die Ewigkeit sind.

Sowohl die Möglichkeiten seines Handwerks, als auch seine Beheimatung in der reformierten Kirche verbieten es aber Josua Boesch bei der ostkirchlichen Ikonografie anzusetzen. Er erkennt, dass er das Geheimnis der Ikone neu suchen muss und er den Auftrag hat, es seinen Möglichkeiten entsprechend zu verwirklichen. Das ist auch die erste Grunderfahrung seines spirituellen Weges: "Das Arme trägt das Vollendete." In der Armut meiner Begrenztheit, in dem Wenigen, das mir geschenkt ist, will das Vollendete sichtbar werden.

Auf dem Weg zu seinem neuen Beruf wird der heilige Franziskus zum wichtigen Begleiter von Josua Boesch. Das franziskanische Kreuz von San Damiano, das nicht den Gekreuzigten sondern den Auferstandenen zeigt, bildet die Vorlage zu seinem Auferstehungskreuz.